In Rulle gibt’s Wurst und Käse jetzt vom Hygienetablett
Quelle: NOZ Constantin Binder

Mit der eigenen Frischhaltedose kauft Margret Hawighorst im Markant-Markt Rulle Käse. Möglicht macht dies ein sogenanntes Hygienetablett, das Verkäuferin Christiane Abdou über die Theke hält. Foto: Swaantje Hehmann

Wallenhorst. Kompostierbare Schalen statt Kunststoffdosen, Papierbeutel statt Plastiktüten: Der Markant-Markt in Rulle zeigt seit Kurzem, wie Müll vermieden werden kann. Das passt zu den Bestrebungen von Politik und Verwaltung, den Plastikmüll in der Gemeinde Wallenhorst zu reduzieren. Auch der Marketingverein unterstützt das Vorhaben.

Im April hatte die SPD/FDP-Gruppe im Rat einen Antrag zur Reduzierung des Plastikmülls in der Gemeinde gestellt. Nach Osnabrücker Vorbild solle die Verwaltung gemeinsam mit den örtlichen Händlern Lösungsansätze für ein „plastiktütenfreies Wallenhorst“ finden. Neben Plastiktüten sollten dabei vor allem Einweg-Kaffeebecher im Fokus stehen; diesbezüglich sollte die Verwaltung vor allem mit den örtlichen Bäckern nach Alternativen suchen.

Gespräche mit dem Marketingverein

Im Umweltausschuss Anfang Mai sicherte die Verwaltung zu, zu klären, wie ein solches Projekt in der Gemeinde aussehen könnte. Dabei sei sie allerdings „von der Mitwirkungsbereitschaft der Händler abhängig“, hieß es seinerzeit – und genau mit denen hat Klimaschutzmanager Stefan Sprenger in der Zwischenzeit das Gespräch gesucht. Dem Marketingverein „Wir für Wallenhorst“ habe er die Pläne vorgestellt und sei durchaus auf offene Ohren gestoßen, berichtet Sprenger.

Hans-Jürgen Klumpe, einer von drei Vorständen des Vereins, bestätigt auf Anfrage, dass der Marketingverein „das Ganze thematisiert“ habe. Eine Überlegung sei etwa, für alle Händler in der Gemeinde Stoffbeutel zu ordern, um auf Plastiktüten verzichten zu können. „Wir appellieren an alle, so wenig Müll wie möglich zu produzieren“, sagt Klumpe.

Verzicht auf Kunststoff

Wie das gehen kann, zeigt seit rund drei Wochen der Markant-Markt im Wallenhorster Ortsteil Rulle. An drei zentralen Stellen verzichtet Inhaber Jens Wechsler, ebenfalls im Vorstand von „Wir für Wallenhorst“, seitdem auf Kunststoff: am Obst- und Gemüseregal, an der Wurst- und Käsetheke und an der Kasse.

Ob Kartoffeln aus der Region oder anderes Obst und Gemüse: Hier wird alles in verschiedene Papiertüten oder spezielle Tüten aus biologisch abbaubarem Material gepackt. Foto: Swaantje Hehmann

Wo zwischen Äpfeln, Nektarinen und Kartoffeln früher kleine, dünne Plastikbeutel hingen, gibt es seitdem nur noch voll kompostierbare Obsttüten aus Stärke und pflanzlichen Ölen – und klassische Papiertüten. So lassen sich Obst und Gemüse ohne Plastikmüll transportieren – zumindest theoretisch. Denn vieles sei auch für ihn nur in Kunststoffverpackungen erhältlich, sagt Wechsler. Das sei dem Kunden besonders bei frischen Bio-Kräutern oder Bio-Gurken schwer zu vermitteln – „da müsste der Großhandel dran arbeiten“, fordert der Marktinhaber. Er versuche aber, so viel lose Ware wie möglich anzubieten – und auf kurze Wege zu achten: Die Kartoffeln kämen aus Rulle, der Brokkoli aus Melle; auch das schütze das Klima.

Schinkenbox aus Pappe

An der Fleischtheke auf der anderen Seite des Ladens informiert derweil ein Hinweisschild die Kunden: „Für uns zählt Nachhaltigkeit“, heißt es dort, dann wird erläutert, dass auch hier nur noch plastikfreie Verpackungen eingesetzt werden. Stattdessen kommen Biokunststoffschalen in drei Größen zum Einsatz, außerdem eine Schinkenbox aus Pappe, die mit kompostierbarer Folie ausgekleidet ist.

So werden die strengen Vorschriften eingehalten: Dank des Hygienetabletts muss Markant-Verkäuferin Christiane Abdou die Dosen der Kunden nicht berühren. Foto: Swaantje Hehmann

Wer ganz auf Verpackungsmüll vermeiden will, könne zudem seine eigenen Dosen mitbringen, erläutert Verkäuferin Christiane Abdou. Ein sogenanntes Hygienetablett erlaube dabei die Einhaltung der strengen deutschen Hygienevorschriften: „Ich darf die Dose des Kunden nicht berühren, deshalb halte ich ihm das Tablett hin, auf das er sie stellen kann“, sagt Abdou. Tablett und Dose würden dann auf der Waage platziert, die wiederum per Tastendruck tariert werde; dann lege sie die gewünschten Produkte in die Dose. Nach jedem Artikel werde gewogen und neu tariert, sodass – wie bisher auch – der Gesamtpreis berechnet werden könne. Am Ende reiche sie dem Kunden Tablett und Dose über die Theke, wo der Kunde seinen Einkauf entgegennehmen und selbst verschließen könne.

Man hört und liest andauernd von der Reduzierung des Plastikmülls, und irgendjemand muss ja mal anfangen.Margret Hawighorst, Kundin

Bei den Kunden habe das neue Verfahren bereits Kreise gezogen, hat Abdou beobachtet; immer mehr brächten ihre eigenen Dosen mit. So auch Stammkundin Margret Hawighorst: „Man hört und liest andauernd von der Reduzierung des Plastikmülls, und irgendjemand muss ja mal anfangen“, sagt sie entschlossen und lässt sich drei Sorten Käse abfüllen. Und auch Abdou und ihre Kolleginnen ziehen voll mit: „Wir finden das gut“, sagt etwa Petra Klages, „wenn jeder ein bisschen mitmacht, ist das ja schon ein großer Schritt.“

Auf dem Weg in ein plastiktütenfreies Wallenhorst: Klimaschutzmanager Stefan Sprenger (links) lässt sich von Jens Wechsler, Inhaber des Markant-Marktes in Rulle, die neuen kompostierbaren Verpackungen zeigen. Foto: Swaantje Hehmann

Doch auch hier sieht Inhaber Wechsler noch viel Nachbesserungsbedarf: „Die Industrie hat noch viel Luft nach oben“, sagt er; er habe beispielsweise noch keine kompostierbaren Einmalhandschuhe für die Verkäuferinnen gefunden. Trotzdem: „Alles was ging, haben wir gemacht“, sagt er. Dazu gehört auch der vollständige Verzicht auf Plastiktüten im Kassenbereich: Wer keine eigene Tasche dabei hat, kann für 20 Cent eine Papiertüte oder für 99 Cent eine Transportbox aus Pappe kaufen.

Bio-Tüten viermal so teuer

Doch nicht nur der Kunde muss für den Klimaschutz in die Tasche greifen, auch Wechsler zahlt drauf: Die kompostierbaren Obsttüten etwa kosteten das Vierfache der bisherigen Kunststoffbeutel. „Aber wenn ich das mache, dann mache ich das auch richtig“, sagt Wechsler.

#dolleknolle
Ein riesen DANKE an alle die unsere Aktion unterstützt haben!

Heute konnten wir Maria Blei von „HUMOR HILFT HEILEN“ einen Scheck in höhe von 3600€ übergeben.
Ein tolles Ergebnis an dem viele Helfer, Spender & Rulleraner beteiligt sind!
VIELEN DANK DAFÜR!

160kg Kartoffeln wurden zu Reibekuchen verarbeitet, die den Rulleranern als Gaumenschmaus dargereicht wurden.
Was ist aber schon ein Puffer ohne Apfelmus??? Und das aus Omas Rezeptebuch. Vielen Dank an die Kolpinsenioren, die uns mit
50kg selbstgemachtem Apfelmus beliefert haben!

„Für mehr rote Nasen und gute Stimmung in Krankenhäusern.“ – „nach der Veranstaltung ist vor der Veranstaltung, wir sind schon am Planen!“

www.kolping-rulle.de/dolleknolle

Ruller Kolpinger backen für Eckart von Hirschhausen-Stiftung

Wallenhorst. Am Markant-Markt in Rulle stand am Samstag alles im Zeichen der Knolle: Die Ruller Kolpingfamilie verkaufte selbstgemachte Kartoffelpuffer mit Apfelmus und Ofenkartoffeln für den guten Zweck. Der Erlös in Höhe von 2300 Euro geht an die Stiftung „Humor hilft heilen“ des TV-Moderators Eckart von Hirschhausen.
Über dem Parkplatz des Einkaufsmarktes lag der Duft von Fettgebackenem. Unter einem Zelt wurden unermüdlich Kartoffelpuffer gedreht und gewendet, in einem Smoker Ofenkartoffeln gebacken und mit Kräuterquark serviert. Ein Gitarrenduo, besetzt mit den Kolpingern Volker Lotte und Ulrich Wöstmann, sorgte für musikalische Begleitung: „160 Kilogramm Kartoffeln haben wir geschält, 50 Kilogramm Apfelmus gekocht, 90 Ofenkartoffeln vorbereitet“, berichtete Organisator Martin Meyer.

Der Kolpinger war am frühen Nachmittag bereits mehr als zufrieden mit dem Verkauf: 100 Kilogramm der aus Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern und Haferflocken zusammengerührten Masse wurde zu diesem Zeitpunkt bereits verarbeitet und wanderte für einen Obolus von einem Euro an hungrige Kunden über die Theke.
Der Ruller hatte den Verkauf für die gute Sache gemeinsam mit Freunden aus der Kolpingfamilie ins Leben gerufen. Bei einer Vorbereitungssitzung für das traditionelle Vater-Kind-Zeltlager im kommenden Sommer hätten beste Voraussetzungen für eine neue Spendenaktion nach dem Kolpingmotto „Gemeinsam leben, gemeinsam Gutes tun“ geherrscht: „Verrückte Truppe, sehr verlässlich und eine Flasche Bier“, erläuterte Meyer diese launig.

Stiftung seit 2008 aktiv

Schnell seien sich die Kolpinger einig gewesen, den Erlös der Eckart von Hirschhausen-Stiftung zu spenden. „Humor hilft heilen“ setzt sich seit 2008 dafür ein, die Stimmung in Krankenhäuser etwa durch den Auftritt von Clowns etwas fröhlicher zu machen. Der Kontakt habe sich außerdem über die Ehefrau des TV-Moderators, die gebürtige Rullerin Ulla Hirschhausen-Schupp herstellen lassen, so Meyer. Er und seine Kolpingfreunde möchten mit dieser Aktion nicht nur helfen, das Lachen in die Krankenhäuser zu bringen, sondern auch ihren Kindern vermitteln, dass Gesundheit ein Luxusgut ist: „Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein“, betonte Meyer. Sein Dank galt unter anderem den Betreibern des Markant- und Getränkemarktes, die die Aktion mit Zutaten- und Getränkespenden unterstützt haben.

Rote Nasen als Erkennungszeichen

Und wie es sich für eine Aktion des Eltern-Kind-Zeltlagers gehört, stellten sich auch die Jugendlichen in den Dienst der guten Sache: Im Eingangsbereich des Markant-Marktes verteilten Melina Meyer und andere Jungkolpinger gegen eine Spende das Symbol der Stiftung – rote Nasen – an die Kunden. Wer mochte, konnte sich mit dem markanten Erkennungszeichen für einen Kolpingfilm über die Spendenaktion fotografieren lassen.

Quelle: NOZ / Christina Halbach
Fotos: Andre Havergo

Toller Artikel in der Premium und Style … gutes Fleisch gutes Gewissen …